Hiob 14:1-22 HFA
[1] »Wie vergänglich ist der Mensch! Wie kurz sind seine Jahre! Wie mühsam ist sein Leben! [2] Er blüht auf wie eine Blume – und verwelkt; er verschwindet wie ein Schatten – und fort ist er! [3] Und doch verlierst du ihn nicht aus den Augen und stellst ihn vor dein Gericht! [4] Du musst doch wissen, dass aus Unreinheit nichts Reines entsteht. Wie sollte da ein Mensch vollkommen sein? Alle sind mit Schuld beladen! [5] Die Jahre eines jeden Menschen sind gezählt; die Dauer seines Lebens hast du festgelegt. Du hast ihm eine Grenze gesetzt, die er nicht überschreiten kann. [6] So schau jetzt weg von ihm, damit er Ruhe hat und seines Lebens noch froh wird, wie ein Arbeiter am Feierabend! [7] Für einen Baum gibt es immer noch Hoffnung, selbst wenn man ihn gefällt hat; aus dem Stumpf wachsen wieder frische Triebe nach. [8] Auch wenn seine Wurzeln im Erdreich absterben und der Stumpf langsam im Boden vertrocknet, [9] erwacht er doch zu neuem Leben, sobald er Wasser bekommt. Neue Triebe schießen empor wie bei einer jungen Pflanze. [10] Aber wenn ein Mensch gestorben ist, dann ist er dahin. Er hat sein Leben ausgehaucht. Wo ist er nun? [11] Wie Wasser, das aus einem See ausläuft, und wie ein Flussbett, das vertrocknet, [12] so ist der Mensch, wenn er stirbt: Er legt sich nieder und steht nie wieder auf. Ja, die Toten werden niemals erwachen, solange der Himmel besteht! Nie wieder werden sie aus ihrem Schlaf erweckt! [13] O Gott, versteck mich doch bei den Toten! Schließ mich für eine Weile dort ein, bis dein Zorn verflogen ist! Aber setz dir eine Frist und denk dann wieder an mich! – [14] Meinst du, ein Mensch wird wieder lebendig, wenn er gestorben ist? – Dann könnte ich trotz meiner Qualen auf bessere Zeiten hoffen wie ein Zwangsarbeiter, der die Tage bis zu seiner Entlassung zählt. [15] Denn dann wirst du mich rufen, und ich werde dir antworten. Du wirst dich nach mir sehnen, weil du selbst mich geschaffen hast. [16] Meine Wege siehst du auch dann noch, aber meine Sünden hältst du mir nicht mehr vor. [17] Was immer ich begangen habe, verschließt du wie in einem Beutel, meine Schuld löschst du für immer aus. [18] Doch selbst Berge stürzen und zerfallen, Felsen rutschen zu Tal. [19] Wasser zermahlt die Steine zu Sand, und Sturzbäche reißen den Erdboden fort. Genauso zerstörst du jede Hoffnung des Menschen. [20] Du überwältigst ihn, zwingst ihn zu Boden; mit entstelltem Gesicht liegt er da und stirbt. Du schickst ihn fort – er kommt nie wieder. [21] Ob seine Kinder einst berühmt sind oder ob man sie verachtet, er weiß nichts davon. Ihre Zukunft bleibt ihm völlig verborgen. [22] Er fühlt nur die eigenen Schmerzen und trauert nur über sich selbst.«
